Hauen, Ringen, Kräfte messen…muss das denn sein? Drucken E-Mail
Donnerstag, 19. November 2009
Über dieses Thema referierte Herr Armin H. Klein (Diplom-Sozialpädagoge/Sozialarbeiter, European Certificate of Psychotherapie (EAP) mit viel Humor im Ev. Laurentius-Kindergarten Achim. Er ist Trainer für initiatische Männerarbeit und gibt Seminare in der Volkshochschule Bremen.

Eltern stehen aggressivem Verhalten von Jungen oft hilflos gegenüber. Jungen, die in Konfliktsituationen Gewalt anwenden, andere Kinder bedrohen, schlagen oder auch verbal attackieren, stellen erzieherisches Handeln Erwachsener auf eine harte Probe.

Herr Klein begann damit, dass er erklärte, dass Jungen und Mädchen sich zuerst gleich entwickeln, später aber die Jungen sich schon im Mutterleib verändern, Mädchen nicht. Ausgangspunkt ist die anfängliche Symbiose – das Einssein – des Säuglings mit der Mutter. Der Junge muss im Gegensatz zum Mädchen seine Andersartigkeit der Mutter gegenüber feststellen. Das Mädchen sagt: “Ich bin wie Mama“ (=Identifikation). Der Junge sagt: “Ich bin nicht wie Mama.“ Die Herauslösung aus der Symbiose mit der Mutter beginnt ab dem 10. Monat. Bis dahin kann der Säugling noch nicht zwischen sich selbst und der Mutter unterscheiden. Für die Jungen gibt es dann einen Identitätsbruch. Die neue Identität muss vom kleinen Jungen erst mühsam erworben werden.

Später bemühen sich die Mädchen um soziale Akzeptanz im Sinne von Beliebtheit, für die Jungen spielt der Aufstieg in der Gruppenhierarchie durch bestimmte Fertigkeiten (z.B. sportliche Leistungen) eine große Rolle. Jungen stehen in ständiger Konkurrenz zueinander (wer ist der Größte, Schnellste…). Sie wollen Anerkennung, die sie durch das Erbringen von Leistung erhalten.

Der Einsatz von körperlicher Kraft ist bei Jungen sehr beliebt. Um nun Streit oder Kämpfe zu verhindern, tendieren wir Erwachsenen zur Vermeidung der meisten Auseinandersetzungen. Dass Streit und Auseinandersetzung sowohl für das soziale Klima in einer Gruppe als auch zwischen zwei Personen produktiv sein kann und klärende Funktion hat, gerät leicht in Vergessenheit. Jungen müssen lernen, mit anderen zu kommunizieren. Es geht darum, Konflikte zu lösen, nicht ihnen auszuweichen. Um Jungen beim Erwerb der sozialen Kompetenzen behilflich zu sein, wenn sie zwischen machtvollem Handeln und Machtmissbrauch, zwischen engagiertem, aggressivem oder gewalttätigem Handeln unterscheiden sollen, heißt auch Streitigkeiten nicht „im Keim ersticken“. Die Abgrenzung von akzeptablem Körpereinsatz und inakzeptabler Grenzverletzung kann im Spiel sowie bei Auseinandersetzungen von Jungen gelernt werden (z.B. durch Kampfspiele oder Ringen mit Regeln und Grenzen).

Herr Klein betonte, dass Raufen für Jungen unbedingt notwendig ist, da sie dadurch soziale Verhaltensweisen erlernen. Sie müssen ihre Erfahrungen mit dem Raum um sie herum mit männlicher Wucht machen können. Wenn das blockiert wird, wird die kognitive und soziale Entwicklung gehemmt.

Der Elternabend war gut besucht, Armin H. Klein gab zu dem Thema humorvolle Denkanstöße und nach dem Ende des Vortrags wurde in kleinen Gruppen noch eifrig über das Thema diskutiert. Es war ein sehr interessanter Abend mit einem anspruchsvollen Thema und das Kindergarten-Team möchte Herrn Klein zum Thema „Müssen Jungen immer Schwerter bauen?“ im nächsten Jahr einladen.

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